
LifeSaver Lausitz: Neue Wege für die Gesundheitsversorgung
Große Entfernungen, eine alternde Bevölkerung und begrenzte Ressourcen stellen die Gesundheitsversorgung in der Lausitz vor besondere Herausforderungen. LifeSaver Lausitz setzt genau hier an: Mit digitalen Technologien, intelligent verknüpften Daten und neuen Mobilitätslösungen sollen medizinische Angebote schneller, sicherer und besser erreichbar werden.
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL – CT) und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) bringen das Programm gemeinsam mit Airbus Helicopters und der CHESCO GmbH auf den Weg. Das Ziel: die Gesundheitsversorgung in der Modellregion Gesundheit Lausitz nachhaltig weiterzuentwickeln und gleichzeitig neue Impulse für den wirtschaftlichen Strukturwandel zu setzen.

Ein digitales Betriebssystem für die Region
Im Zentrum von LifeSaver Lausitz steht der Aufbau eines digitalen Zwillings der Modellregion Gesundheit Lausitz. Dieses digitale Abbild soll vorhandene Informationen zur medizinischen Versorgung, Mobilität, Bevölkerungsentwicklung und Umwelt miteinander verbinden. So entsteht eine gemeinsame Datengrundlage, mit der sich regionale Herausforderungen analysieren und mögliche Lösungen realitätsnah simulieren lassen.
Der digitale Zwilling funktioniert dabei wie eine Art Betriebssystem für die Modellregion. Auf ihm können unterschiedliche Anwendungen und Projekte aufbauen – beispielsweise:
- medizinische Transporte per Drohne,
- neue Lösungen für Rettungsdienste und Logistik,
- telemedizinische Angebote,
- digitale Bürger- und Verwaltungsservices,
- Anwendungen für den Katastrophenschutz,
- intelligente Informations- und Planungssysteme.
So wird sichtbar, wo der konkrete Bedarf besonders groß ist und welche Maßnahmen den größten Nutzen für Bevölkerung, Verwaltung und Wirtschaft versprechen.
Forschung wird zur Lösung für die Region
Für die BTU Cottbus-Senftenberg verbindet LifeSaver wissenschaftliche Exzellenz mit konkreten Anwendungen.
Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg:
„LifeSaver zeigt, wie aus exzellenter Forschung konkrete Lösungen für die Menschen in der Lausitz werden können. An der BTU bündeln wir dafür die Kompetenzen unserer Einrichtungen – von der CHESCO-Forschungsfabrik über den iCampus bis zur wissenschaftlichen Weiterbildung – und arbeiten eng mit Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Gemeinsam mit der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem und Airbus Helicopters erproben wir Drohnensysteme, die sichere, effiziente und zuverlässige Versorgungsflüge ermöglichen. So entsteht ein Pilotprojekt mit Modellcharakter, das die medizinische Infrastruktur auch in dünn besiedelten Regionen nachhaltig stärkt.“
Die enge Verbindung von Forschung, Gesundheitsversorgung und technologischer Entwicklung schafft ein Umfeld, in dem neue Ideen nicht nur untersucht, sondern direkt in der Praxis erprobt werden können.
Digitale Zwillinge treffen auf medizinische Mobilität
Die CHESCO GmbH bringt ihre Erfahrung mit digitalen Zwillingen und nachhaltigen Antriebssystemen aus der Luftfahrt in das Programm ein.
Mithilfe digitaler Modelle lassen sich mögliche Flugrouten und Einsatzszenarien für medizinische Drohnen abbilden. Bereits vor dem realen Betrieb können Reichweite, Sicherheit, Effektivität und Effizienz untersucht werden.
Heiko Witte, Geschäftsführer der CHESCO GmbH:
„Mit unserer Forschung an digitalen Zwillingen für nachhaltige Antriebssysteme in der Luftfahrt können wir bei CHESCO einen zentralen Beitrag zum Luftfahrt-Ökosystem bei der Entwicklung der digitalen Landkarte der Modellregion Gesundheit Lausitz leisten. Mithilfe des digitalen Zwillings lassen sich Ökosysteme für den Flugbetrieb mit medizinischen Drohnen abbilden. So können Reichweiten, Effektivität, Sicherheit und Effizienz der Versorgungsflüge bewertet und Anwendungen in Mobilität und Lufttransport gezielt verknüpft und weiterentwickelt werden.“
Damit entsteht eine wichtige Grundlage für zukünftige Versorgungsflüge – etwa für den Transport von Medikamenten, Blutprodukten, Laborproben oder medizinischem Material.

Vom konkreten Bedarf zum Regelbetrieb
LifeSaver Lausitz folgt einem klaren Prinzip: Erst verstehen, dann entwickeln.
Zu Beginn wird datenbasiert untersucht, wo Versorgungslücken bestehen, welche Wege besonders lang sind und an welchen Stellen digitale oder mobile Lösungen einen messbaren Mehrwert schaffen können. Auf dieser Grundlage entstehen konkrete Anwendungsprojekte. Sie sollen schrittweise entwickelt, praktisch erprobt und langfristig aus der Forschung in den Regelbetrieb überführt werden.
Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung beginnt zunächst eine sechsmonatige Konzeptphase. In dieser Zeit wollen die Partner:
- ein Gesamtkonzept für LifeSaver Lausitz entwickeln,
- eine tragfähige Finanzierungsstruktur erarbeiten,
- die Anforderungen an den digitalen Zwilling konkretisieren,
- erste Apps und Anwendungsfälle definieren,
- die nächsten Schritte für ein langfristiges Innovationsprogramm vorbereiten.
Das Ziel ist kein kurzfristiges Einzelprojekt, sondern ein dauerhaftes Ökosystem mit messbarem Nutzen für die Menschen in der Region.
Neue Versorgung schafft neue Wertschöpfung
LifeSaver Lausitz ist zugleich ein Projekt des regionalen Strukturwandels. Wissenschaftliche Einrichtungen, Universitätsmedizin und international tätige Unternehmen entwickeln gemeinsam Lösungen, die neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen können.
Dr.-Ing. Klaus Freytag, Lausitz-Beauftragter des Ministerpräsidenten Brandenburg:
„Mit der Unterzeichnung des LOI erleben wir die direkten Effekte der Strukturentwicklung. Uniklinik, Forschungsakteure und leistungsstarke Unternehmen wie Airbus kümmern sich zukünftig in der Modellregion Gesundheit um moderne Angebote in der Versorgung für die Menschen und schaffen damit neue Wertschöpfung in der Lausitz.“
Neue Technologien sollen damit nicht nur die Versorgung verbessern. Sie können auch Forschung stärken, qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und die Lausitz als Standort für Medizin, Digitalisierung und moderne Mobilität weiter profilieren.
Technologie für eine bessere Gesundheitsversorgung
LifeSaver wurde von Airbus gemeinsam mit International SOS entwickelt. Das Angebot richtet sich an Regierungen und Regionen, die ihre Gesundheitsversorgung mithilfe neuer Technologien gezielt verbessern möchten.
Ausgangspunkt ist stets eine detaillierte Analyse der lokalen Versorgungsstrukturen. Auf dieser Basis lässt sich simulieren, welche technischen und organisatorischen Lösungen unter den jeweiligen regionalen Bedingungen den größten Nutzen bieten.
Ähnliche Projekte wurden bereits unter anderem in Estland, Bayern und Japan umgesetzt. In Brandenburg wird der Ansatz nun gezielt an die besonderen Voraussetzungen der Lausitz angepasst.
Dr. Klaus Przemeck, Mitglied der Geschäftsführung von Airbus Helicopters in Deutschland:
„LifeSaver steht für effiziente Gesundheitsversorgung durch technologische Innovation. Die Modellregion Gesundheit Lausitz bietet ideale Voraussetzungen dafür, mit unseren Partnern moderne Mobilitätslösungen zu erproben und überregional zu skalieren.“
Die Lausitz als Modellregion mit Strahlkraft
Die Lausitz befindet sich infolge des Kohleausstiegs in einem umfassenden Strukturwandel. Gleichzeitig muss die medizinische Versorgung in einer weitläufigen und vergleichsweise dünn besiedelten Region langfristig gesichert werden.
Mit der Modellregion Gesundheit Lausitz verfolgt das Land Brandenburg deshalb mehrere Ziele: moderne Versorgungsangebote entwickeln, innovative Bedingungen für Forschung und Entwicklung schaffen und neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.
Die MUL – CT bildet dafür das zentrale medizinische und wissenschaftliche Fundament.
Martin Peuker, Digitalisierungsvorstand der MUL – CT:
„Gerade hier in der Lausitz stehen wir vor besonderen logistischen Herausforderungen – große Distanzen, eine alternde Bevölkerung und begrenzte Ressourcen verlangen neue Antworten. Mit innovativen, digital gestützten Versorgungsmodellen können wir die medizinische Versorgung resilienter, schneller und vernetzter aufstellen. Unser Anspruch ist es nicht nur, bestehende Strukturen zu optimieren, sondern die Modellregion aktiv voranzubringen und Lösungen zu entwickeln, die auch über die Lausitz hinaus als Blaupause für eine moderne Gesundheitsversorgung dienen.“
Heute in der Lausitz erprobt, morgen international einsetzbar
LifeSaver Lausitz verbindet Gesundheitsversorgung, Digitalisierung, Forschung und Mobilität zu einem gemeinsamen Innovationsprogramm.
Die Modellregion bietet die Chance, neue Lösungen unter realen Bedingungen zu entwickeln und zu testen. Was sich in der Lausitz bewährt, soll perspektivisch auch auf andere ländliche Regionen in Deutschland und international übertragbar sein.
So entsteht aus regionalen Herausforderungen ein Zukunftsprojekt mit großer Reichweite: für eine Gesundheitsversorgung, die vernetzter, schneller und widerstandsfähiger ist – und für eine Lausitz, die den Wandel aktiv gestaltet.